abstandhalter

"who is who?"

Gartenarchitekt
oder Gartengestalter?

Die Situation

Immer wieder stellen wir bei unseren Kunden fest, dass bei der Unterscheidung zwischen den Begriffen "Gartenarchitekt" und "Gartengestalter" Ratlosigkeit herrscht. Allgemein wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um ein und dasselbe handelt. Zwar ist ein Gartenarchitekt immer ein Gartengestalter aber ein Gartengestalter nicht zwangsläufig ein Gartenarchitekt.
Wo also liegt der Unterschied?


Der Gartenarchitekt

Ein Gartenarchitekt ist ein ausgebildeter Gestalter; seine Ausbildung findet im Rahmen eines Studiums an einer Universität oder Fachhochschule statt. Der Schwerpunkt des Studium liegt im Entwerfen; dabei wird der Blick für Flächen, Räume und das Zusammenspiel von Architektur und Freiraum geschärft und stetig trainiert. Schließlich soll später ein in sich stimmiger Entwurf entstehen. Natürlich stehen Pflanzenkunde, Baustofflehre, DIN-Norm gerechte technische Ausführung und Baubetriebslehre ebenfalls auf dem Lehrplan.
Der Begriff des Gartenarchitekten ist geschützt. Ihn darf nur jemand führen, der ein einschlägiges Studium erfolgreich absolviert hat und umfassende Berufserfahrung vorweisen kann. Von der Architektenkammer wird dies geprüft. Wenn die erforderlichen Kriterien vorgewiesen werden können, wird dies von der Kammer bestätigt und man darf fortan den Titel "Gartenarchitekt" führen. Um die Kompetenz und Qualität zu sichern, ist man verpflichtet sich regelmäßig weiterzubilden.
Im Grunde genommen handelt es sich dabei um eine 2-stufige Qualitätsprüfung (Studiumsabschluss, Kammerprüfung).


Der Gartengestalter

Um den Unterschied zu dem Begriff Gartengestalter zu erklären, sucht man diesen Begriff am besten einmal in einem Branchenbuch: tut man dies, landet man mit größter Wahrscheinlichkeit bei ausführenden Gartenbaubetrieben. In der Regel handelt es sich bei Gartengestaltern nämlich um Gärtner, die nebenbei Planung betreiben.
Der Gärtner ist ein Handwerksberuf, dessen Ausbildung darauf hin zielt, Baustoffe zu kennen, richtig zu verarbeiten, Pflanzen zu kennnen und sie ihren Ansprüchen gemäß einzusetzen und zu pflegen. Das Thema Gestaltung hat, wenn überhaupt, eine sehr untergeordnete Rolle.
Der Begriff des Gartengestalters ist nicht geschützt, mit ihm kann sich jeder bezeichnen, der meint, gestalten zu können. Qualitätsprüfung? Fehlanzeige.


Eine Begriffsverwirrung und ihre Folgen

Wenn ich auf meine mehr als 20 Berufsjahre als Garten- und Landschaftsarchitektin zurückblicke, dann ist festzustellen, dass sich der Markt stark verändert hat: früher gab es den Gartenarchitekten und den Gärtner; den Begriff des Gartengestalters gab es quasi nicht - diese Trennung war vor allem für den Kunden eindeutig, denn er wusste , was er von wem zu erwarten hatte.
Mit der Zeit übernahmen immer mehr Gärtner (Gartenbaubetriebe) Planungsleistungen und nannten sich Gartengestalter. Das ist auch nach wie vor so; allerdings kann man In jüngster Zeit feststellen, dass immer häufiger Gartenbaubetriebe Gartenarchitekten anstellen. Warum das?
Wenn wir auf unsere Erfahrungen mit unseren Kunden blicken, müssen wir leider sagen: weil die Gartenbaubetriebe offenbar erkannt haben, dass das mit der Gestaltung nicht "mal eben" zusätzlich gemacht werden kann, sondern einer speziellen Kompetenz bedarf. Es kommt immer wieder vor, dass sich Kunden an uns wenden, nachdem sich bereits ein oder auch mehrere Gärtner mit Gestaltung in deren Gärten befasst haben. In solchen Situationen ist die Frustration beim Kunden schon relativ hoch, schließlich wurde bereits einiges an Geld für den gestaltenden Gärtner ausgegeben ohne ein zufrieden stellendes Ergebnis zu bekommen. Aufgrund dessen findet man mittlerweile Gartenbaubetriebe, die einen Gestalter, sprich Gartenarchitekten beschäftigen. Also, alles bestens - sollte man denken - alles aus einer Hand. Oder etwa nicht?


Alles aus einer Hand - oder lieber nicht?

Das muss mit einem klaren "Njein" beantwortet werden. Vom Grundsatz her ist die Überlegung nicht verkehrt - es sind jedoch zwei Dinge zu beachten:
die Landschafts- und Gartenarchitektur kennt eine Vielzahl von Themen, die oftmals spezielle Kenntnisse voraussetzen, dazu gehört z.B. der Teich- und Wasserbeckenbau bis hin zum Schwimmteich; Holzbau, worunter nicht nur Terrassen fallen, sondern auch Pergolen, Zäune oder Carports; Stahlbau für Rankelemente, Zäune, Pavillons, etc.; Regenwassermanagement und viele andere. Erst die bewusste Wahl aus der Vielfalt und die gekonnte Kombination mit weiteren Materialien und Elementen lassen einen Garten zu einem Unikat werden. Ansonsten entsteht leicht der Eindruck eines Schaufläche wie bei einem Baustoffhändler.
Ein Gartenbaubetrieb wird nun immer das dem Kunden anbieten, worauf er sich und seine Maschinenausrüstung spezialisiert hat. Alles andere ist kaum möglich, denn für viele Arbeiten braucht man auch spezielle Fachkräfte.
Als unabhängiges Büro kennen wir natürlich die Schwerpunkte der Firmen mit denen wir zusammen arbeiten. Und so können wir beim Entwurf ganz kundenorientiert arbeiten und suchen später den dazu passenden Ausführungsbetrieb.

Das mit der "Katze im Sack"

Aber es kommt noch ein zweiter Aspekt hinzu, wenn die Planung beim Ausführenden liegt:
als Kunde sind Sie mit Beginn der Planung an den Ausführungsbetrieb gebunden. Und das heißt nicht nur von dem aus gesehen, was Ihnen gestaltungsmäßig angeboten wird, sondern auch preislich. Denn natürlich bekommen Sie keine Planunterlage ausgehändigt, mit der Sie möglicherweise ein Alternativangebot von einer zweiten Firma einholen können. Mit anderen Worten: ein Preiswettbewerb wird von vornherein umgangen.

Das ist grundsätzlich anders, wenn die Planung über ein unabhängiges Büro erfolgt: nachdem wir Ihre Wünsche in Planung umgesetzt haben, Ideen diskutiert und in eine gute planerische Form gebracht haben, nachdem wir Ihnen verschiedene Materialien vorgestellt, Vor- und Nachteile benannt haben und Sie sich für Ihren Favoriten entschieden haben, entwickeln wir daraus eine Leistungsbeschreibung, die wir an zwei bis drei ausführende Betriebe zur Abgabe eines Angebotes weitergeben. Durch den hierdurch entstehenden Wettbewerb werden überteuerte Preise vermieden; wenn "Ausreißerpreise" in den Ergebnissen erkennbar sind, wird nachverhandelt, so daß Sie schließlich ein marktgerechtes Angebot bekommen.
Sowohl vom Planungs- als auch vom Kostenaspekt her haben Sie damit eine Gewährleistung, daß das Optimale aus Ihrem Garten herausgeholt wird - und das ist wichtig - schließlich wollen Sie ja viele Jahre Freude an Ihrem Garten haben.


Fazit

Die Vielfalt der auf dem Markt befindlichen Begriffe macht es für den Kundenschwerer, einen Rückschluss auf die fachliche Qualifikation und damit auf die gelieferte Qualität zu ziehen.

Bei allem pro und contra: vielleicht hilft einfach die Überlegung weiter, ob Sie sich auch Ihr Haus von einem Maurer planen lassen würden, das Auto vom Mechaniker oder eben Ihren Garten von einem Gärtner.

Wir hoffen zumindest, daß wir für Sie etwas Klarheit in die Begriffe des Gartenarchitekten bzw. Gartengestalters bringen konnten, so daß sich für Sie die Frage, nach dem "who is who" nicht mehr stellt.